Bern, 5. Oktober 2026 · Nachricht und Einordnung
Zum ersten Jahrestag des Handelsabkommens TEPA hat der Bund einen Indienbesuch von Guy Parmelin vom 5. bis 7. Oktober angekündigt. Auf dem Programm stehen politische Gespräche sowie Wirtschafts- und Wissenschaftskontakte. Die Reise rückt die praktische Umsetzung des Abkommens in den Vordergrund. [1]
Was das Abkommen ermöglicht
Laut SECO verbessert das seit Oktober 2025 geltende Abkommen den Marktzugang für 94,7 Prozent der bisherigen Schweizer Exporte nach Indien, gemessen am Warenwert von 2018 bis 2023 ohne Gold. Nach Ablauf der Übergangsfristen werden Zolleinsparungen von jährlich bis zu rund 167 Millionen Franken veranschlagt. [2]
Das ist eine Potenzialrechnung auf Basis des damaligen Handels. Daraus lässt sich weder ein bereits erzielter Gewinn noch ein garantierter Umsatzzuwachs für einen einzelnen Betrieb ableiten.
Im Investitionskapitel stehen Zielgrössen von 100 Milliarden US-Dollar und einer Million zusätzlicher Arbeitsplätze in Indien über 15 Jahre. Sie beziehen sich auf die EFTA-Staaten gemeinsam. Der Schweizer Bund verspricht damit keine staatliche Überweisung in dieser Höhe; vorgesehen sind Aktivitäten zur Investitionsförderung. [3]
Der entscheidende Schritt liegt im Betrieb
Zollvorteile setzen passende Ursprungsregeln und Nachweise voraus. Das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit erläutert diese Anforderungen in seinem Zirkular zum Abkommen. [4] Für ein Unternehmen beginnt die Umsetzung deshalb bei einer konkreten Frage: Welche Bedingungen gelten für genau das Produkt, das es exportieren möchte?
Einordnung: Erfolg zeigt sich nach dem Gipfel
Aus Sicht der Redaktion sollte sich die Debatte weniger an grossen Zielzahlen als an überprüfbaren Ergebnissen orientieren. Können auch kleinere Betriebe die Regeln nutzen? Lassen sich Aufwand und eingesparte Zölle in ein vernünftiges Verhältnis bringen? Entstehen verlässliche Beziehungen, die über einen einzelnen Auftrag hinausreichen?
Ebenso wichtig ist, wie die Vorteile verteilt werden. Zusätzlicher Handel ist noch kein vollständiger Massstab für gute Zusammenarbeit. Arbeitsbedingungen, sorgfältige Lieferketten und ein langfristiger Umgang mit Ressourcen gehören in dieselbe Bilanz.
Der Jahrestag bietet daher einen passenden Anlass für eine nüchterne Zwischenfrage: Was ist für Unternehmen tatsächlich einfacher geworden? Antworten darauf sind aussagekräftiger als die Zahl der Handschläge. Ein Abkommen schafft Möglichkeiten; seinen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wert muss die Umsetzung zeigen.
