Am 1. Juni 2026 standen in der Schweiz 45’493 Wohnungen leer. Das waren 2962 weniger als ein Jahr zuvor. Die Leerwohnungsziffer fiel damit von 1,00 auf 0,93 Prozent. Nach Angaben des Bundesamts für Statistik ist sie im sechsten Jahr in Folge gesunken. Hinter dem Landeswert verbergen sich erhebliche Unterschiede: Im Kanton Zug waren nur 0,20 Prozent der Wohnungen leer, im Kanton Jura dagegen 3,35 Prozent.
Für Wohnungssuchende macht sich das knappe Angebot besonders bei Neuvermietungen bemerkbar. Das Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) erwartet dort weitere Mietsteigerungen. Bestehende Mietverhältnisse dürften 2026 aufgrund tiefer Zinsen und geringer Inflation dagegen weitgehend stabile Mieten aufweisen. Besonders angespannt ist der Markt laut BWO für Haushalte mit geringer Kaufkraft sowie im Grossraum Zürich, in der Zentralschweiz und in mehreren Bergregionen.
Der jüngste Wohnungsmarktmonitor nennt mehrere Ursachen. Die Zahl der Haushalte wächst, während zu wenig neuer Wohnraum hinzukommt. Auch höhere Einkommen können bei knappem Angebot die Mieten steigen lassen. Zudem waren 2025 rund 18 Prozent der neu erstellten Wohnungen Ersatzneubauten: Solche Projekte vergrössern den Wohnungsbestand weniger stark, als die Zahl fertiggestellter Wohnungen vermuten lässt.
Der Bundesrat prüft deshalb unter anderem Änderungen im Planungs- und Baurecht. Er erwägt, der Siedlungsentwicklung nach innen bei der Abwägung mit anderen Interessen mehr Gewicht zu geben. Auch Einschränkungen der Beschwerdemöglichkeiten vor Bundesgericht und Massnahmen gegen nachweislich missbräuchliche Einsprachen stehen zur Diskussion. Das zuständige Departement soll bis Ende 2026 eine Vernehmlassungsvorlage ausarbeiten.
Diese Vorschläge sind noch kein geltendes Recht. Der Bund weist zudem darauf hin, dass die meisten Bewilligungsverfahren Sache der Kantone sind. Für 2026 rechnet das BWO weiterhin mit zu wenig zusätzlichen Wohnungen. Die gestiegene Zahl von Baugesuchen und Bewilligungen könnte den Bestand ab 2027 stärker wachsen lassen; eine rasche Entspannung erwartet das Amt dennoch nicht.