Die Migros plant einen grundlegenden Umbau ihrer Genossenschaftsstruktur. Die zehn rechtlich selbständigen Regionalgenossenschaften und der Migros-Genossenschafts-Bund (MGB) sollen in einer Gruppengenossenschaft zusammengeführt werden. «Einheitsgenossenschaft» ist eine verbreitete Kurzform; Migros selbst spricht von einer Gruppengenossenschaft. Die Verwaltungen aller zehn Genossenschaften und des MGB haben dem Grundsatzentscheid am 26. Oktober einstimmig zugestimmt. Die Fusion ist damit noch nicht beschlossen. [1][2]

Die Migros Bank ist ausdrücklich als eigene Geschäftseinheit aufgeführt. Sie soll ihr Tagesgeschäft selbst führen; das Gruppendach würde Gesamtstrategie, Mittelzuteilung und Risikokontrolle übernehmen. Änderungen an Konten oder Bankangeboten hat Migros nicht angekündigt. [2]

Was sich ändern soll

Heute bestehen zehn eigenständige Regionalgenossenschaften neben dem MGB. Künftig soll eine nationale Genossenschaft das Dach über sieben weitgehend selbständig arbeitenden Geschäftseinheiten bilden: Migros Supermarkt, Migros Industrie, Denner, Migrol und Migrolino, Digitec Galaxus, Migros Bank und Medbase. Das Tagesgeschäft bliebe bei den Einheiten; der Supermarkt würde schweizweit aus einer Hand geführt und in fünf Regionen organisiert. [1][2]

Migros begründet den Schritt mit stärkerem Wettbewerb und parallelen Verwaltungs- und Führungsstrukturen. Eine einfachere Organisation soll Entscheide beschleunigen, Investitionen bündeln und bessere oder günstigere Angebote ermöglichen. Das sind erklärte Ziele der Migros; ob sich daraus tatsächlich tiefere Preise oder spürbare Vorteile für Kunden ergeben, wird sich erst nach der Umsetzung zeigen. [1][3]

Coop hat eine ähnliche Zusammenlegung bereits 2001 vollzogen: Im Januar fusionierten laut Geschäftsbericht die damaligen 14 Regionalgenossenschaften und Coop Schweiz zu einer Genossenschaft. Das war 25 Jahre vor dem jetzigen Migros-Vorschlag. Die Grundidee ist vergleichbar, die konkrete Struktur aber nicht identisch. [5]

Was geschieht mit der regionalen Mitsprache?

Die zehn heutigen Genossenschaftsräte mit rund 500 Mitgliedern sollen durch sechs Regionalräte mit insgesamt etwa 300 Mitgliedern ersetzt werden. Sie würden regionale Anliegen vertreten und Delegierte für eine nationale Versammlung wählen. Migros verspricht, regionale Produkte, lokale Partnerschaften und das Kulturprozent weiterzuführen. Dessen Mittel sollen weiterhin in die Regionen zurückfliessen, in denen sie erwirtschaftet wurden. [2]

Die regionale Verankerung soll somit bestehen bleiben, die formelle Mitsprache würde aber stärker national gebündelt. Ob sechs Regionalräte die Vielfalt der bisherigen zehn Genossenschaften ausreichend abbilden, dürfte eine wichtige Frage in der Abstimmungsdebatte sein.

Abstimmung und Folgen für Beschäftigte

Mitte 2027 sollen die rund 2,3 Millionen Genossenschafter abstimmen. Laut Migros müssen mindestens 25 Prozent der Stimmberechtigten teilnehmen; nötig ist zudem eine Zweidrittelmehrheit. Bis dahin bleibt die heutige Organisation bestehen. Bei einem Ja wäre die Umstellung ein mehrjähriger Prozess. [2]

Die Migros sagt, Veränderungen beträfen vor allem Verwaltung und Management, nicht die Mitarbeiter in den Filialen. Sie verspricht, dass es in den Regionalgenossenschaften bis mindestens Mitte 2028 keine organisationsbedingten Entlassungen gibt. Eine Zahl möglicher Stellenveränderungen danach nennt sie nicht. MGB-Chef Mario Irminger und Migros-Supermarkt-Chef Peter Diethelm wollen ihre Funktionen zum Zeitpunkt der Abstimmung abgeben. [1][4]

**Stand: 27. Oktober 2026.** Bisher liegt ein einstimmig unterstützter Grundsatzentscheid der Verwaltungen vor. Die Mitglieder haben über die Fusion noch nicht entschieden.