Blauer Himmel, ruhiges Wasser – und ein auffallend breiter Streifen freiliegenden Ufers. Die Aufnahme vom Montag, 28. September 2026, aus der Badi Tägerwilen macht die Niedrigwasserlage anschaulich. Vor dem Sprungturm und seitlich der Badeinsel liegen weite kiesige Flächen offen. Der betonierte Einstieg mit den Metallgeländern führt zunächst auf trockenen Grund.
Die Aufnahme stammt vom Seerheinbad. Der Seerhein verbindet den Obersee mit dem Untersee; das Bild zeigt somit einen Teil des Bodensee-Systems. Wie aussergewöhnlich die Situation ist, lässt sich an einer Fotografie allein nicht messen. Die amtlichen Pegeldaten liefern jedoch eine klare Einordnung.
Für den Abend des Aufnahmetags weist PEGELONLINE am Pegel Konstanz 253 Zentimeter aus, gemessen am 28. September um 18.45 Uhr. Die gemeinsame Bodensee-Wasserstandsinformation nennt für denselben Abend ebenfalls 2,53 Meter über Pegelnull und beschreibt die Lage im September als für die Jahreszeit extrem niedrig. Die 253 Zentimeter sind keine Angabe zur Wassertiefe des Sees oder unter dem Sprungturm: Ein Pegelstand wird gegenüber einem festgelegten Bezugspunkt gemessen.
Wie weit der See unter dem saisonal üblichen Niveau liegt, zeigt der Bericht des Niedrigwasser-Informationszentrums Baden-Württemberg vom 23. September. Für den Vortag nennt er ein Tagesmittel von 258 Zentimetern in Konstanz. Das waren 88 Zentimeter weniger als der Durchschnitt für diesen Kalendertag im Referenzzeitraum 1991–2020. Auch der bisherige Tiefstwert für einen 22. September – 265 Zentimeter aus dem Jahr 2003 – wurde unterschritten. Dieser Vergleich bezieht sich ausdrücklich auf den 22. September, nicht auf den Tag der Fotoaufnahme.
Ein sinkender Wasserstand im Herbst gehört zwar zum natürlichen Jahresverlauf. Nach Angaben des Informationszentrums erreicht der Bodensee sein Jahresminimum aber meistens erst im Februar oder März. 2026 lag er bereits im September niedriger als im Frühjahr. Der historische Tiefststand der gesamten Konstanzer Messreihe seit 1850 liegt bei 226 Zentimetern und stammt aus dem Jahr 1858. Ein absoluter Allzeit-Tiefststand ist mit dem aktuellen Wert von 253 Zentimetern somit nicht erreicht.
Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg führte die Entwicklung bereits im August auf mehrere zusammenwirkende Faktoren zurück: wenig Schnee in den Alpen, fehlenden Regen und starke Verdunstung bei sommerlicher Hitze. Dadurch fehlt Wasser aus der Schneeschmelze, während die Zuflüsse weniger Nachschub liefern. Der Septemberbericht beschreibt insbesondere beim Alpenrhein, dem wichtigsten Zufluss, eine aussergewöhnlich geringe Wasserführung.
In Tägerwilen wird diese Entwicklung unmittelbar sichtbar. Die freiliegenden Kiesflächen und der trockene Zugang zum Wasser geben den abstrakten Pegelzahlen ein lokales Bild. Die Aufnahme dokumentiert den Zustand vom 28. September; wie sich die Lage weiterentwickelt, hängt von den Zuflüssen und der weiteren Witterung ab.
Quellen: PEGELONLINE, Messstelle Konstanz (Messwert vom 28.09.2026, 18.45 Uhr); gemeinsame Bodensee-Wasserstandsinformation (bodensee-hochwasser.info, Stand September 2026); Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg, Lagebericht vom 23.09.2026 und Erläuterungen zu Pegelständen; LUBW, Mitteilung «Bodensee erreicht bisher niedrigsten Wasserstand des Jahres 2026» vom 15.08.2026. Quellen abgerufen am 29.09.2026.
