Eine Würdigung anlässlich seines angekündigten Rücktritts
Am 2. Oktober hat Guy Parmelin seinen Rücktritt auf Ende Dezember 2026 angekündigt. Dann wird er elf Jahre der Landesregierung angehört und zum zweiten Mal ein Präsidialjahr abgeschlossen haben. An seiner Medienkonferenz erklärte er, gesundheitliche Gründe seien für den Entscheid nicht ausschlaggebend; er verspüre jedoch weniger Energie. Es ist die Entscheidung eines Mannes, der nach langen Jahren öffentlicher Verantwortung sein Amt weitergeben will.
Parmelins Lebensgeschichte beginnt in Bursins im Kanton Waadt, wo er am 9. November 1959 geboren wurde. Nach der Maturität absolvierte er eine landwirtschaftliche Lehre und erwarb 1985 das eidgenössische Meisterdiplom in Landwirtschaft und Weinbau. Bis zu seiner Wahl in den Bundesrat arbeitete er als Meisterlandwirt und Weinbauer. Die Verantwortung für einen Betrieb und die Arbeit mit Boden und Reben gehörten damit während Jahrzehnten zu seinem Alltag.
Sein politischer Weg führte über die Gemeinde und den Kanton nach Bern. Von 1994 bis 2003 gehörte Parmelin dem Waadtländer Grossen Rat an, anschliessend bis 2015 dem Nationalrat. Zwischen 2000 und 2004 präsidierte er die SVP seines Heimatkantons. Am 9. Dezember 2015 wählte ihn die Bundesversammlung in die Landesregierung.
Dieser Werdegang verdient Beachtung. Er zeigt, wie viel politische Erfahrung ausserhalb der Bundesstadt entsteht. Wer einen Betrieb führt und sich in seiner Gemeinde engagiert, begegnet den Folgen staatlicher Entscheidungen unmittelbar. In Parmelins Biografie verbinden sich berufliche Praxis und jahrzehntelange parlamentarische Arbeit. Darin liegt ein besonderer Wert seines Beitrags zum öffentlichen Leben.
Anfang 2016 übernahm er das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. Seit 2019 leitet er das Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung. Damit rückten Fragen in den Mittelpunkt, die den Alltag vieler Menschen bestimmen: Arbeitsplätze, die Zukunft der Unternehmen, Berufsbildung und die Versorgung des Landes.
Sein erstes Präsidialjahr 2021 fiel mitten in die Corona-Pandemie. Parmelin trug als Wirtschaftsminister und Bundespräsident Mitverantwortung für Entscheidungen in einer Zeit grosser Unsicherheit. Unternehmen bangten um ihre Existenz, Beschäftigte um ihr Einkommen. Die damalige Politik bleibt Gegenstand berechtigter Auseinandersetzungen. Anerkennung verdient dennoch die Bereitschaft, in einer solchen Lage Verantwortung zu übernehmen und sich der öffentlichen Kritik zu stellen.
Ein Bild aus jenem Jahr bleibt besonders in Erinnerung: Parmelin empfing Joe Biden und Wladimir Putin am 16. Juni 2021 in Genf. Die Schweiz stellte den Rahmen für ihr Gipfeltreffen bereit. Dieser Auftritt steht für eine Aufgabe, die dem Land auch künftig wichtig sein muss: Gespräche ermöglichen und diplomatische Verbindungen offenhalten. Parmelin vertrat die Eidgenossenschaft bei diesem Anlass als Gastgeber.
Zu den greifbaren Ergebnissen seiner Amtszeit gehört das Freihandelsabkommen der EFTA-Staaten mit Indien, das am 1. Oktober 2025 in Kraft trat. Es erleichtert Schweizer Unternehmen den Zugang zu einem bedeutenden Markt. Solche Abkommen sind die Arbeit vieler Beteiligter über lange Zeit. Als zuständiger Bundesrat trug Parmelin politische Verantwortung dafür, dass aus Verhandlungen verbindliche Vereinbarungen wurden. Für ein exportorientiertes Land ist das eine Leistung von erheblichem Gewicht.
Zu einer Würdigung gehört auch die schwierige Seite dieser Bilanz. In sein Präsidialjahr 2021 fiel der Entscheid des Bundesrates, die Verhandlungen über das institutionelle Rahmenabkommen mit der EU zu beenden. Parmelin vertrat diesen Beschluss gemeinsam mit seinen Regierungskollegen öffentlich. Die Frage nach dem richtigen Verhältnis zwischen schweizerischer Eigenständigkeit und verlässlichen europäischen Beziehungen zeigt, wie anspruchsvoll sein Amt war.
Dass ihm auch über das eigene politische Lager hinaus Vertrauen entgegengebracht wurde, lässt sich an seiner Wiederwahl 2023 ablesen: Er erhielt 215 von 233 gültigen Stimmen. Für sein zweites Präsidialjahr erklärte er Kollegialität und Dialog zu besonderen Anliegen. Beides gehört zum Kern einer Regierung, die unterschiedliche politische Kräfte zusammenführen muss.
Parmelins Lebensleistung umfasst die Arbeit auf dem Hof ebenso wie seinen Einsatz in Parlament und Regierung. Er hat einen beträchtlichen Teil seines Lebens dem Gemeinwesen gewidmet. Wenn er Ende Jahr sein Amt abgibt, verdient dieser Einsatz einen aufrichtigen Dank. Der Schweiz ist zu wünschen, dass auch künftig Menschen mit beruflicher Erfahrung und einer solchen Bereitschaft zum öffentlichen Dienst politische Verantwortung übernehmen.
Quellen: Le Temps und SRF (2. Oktober 2026); offizieller Lebenslauf des WBF; Schweizerische Eidgenossenschaft; EDA (Genfer Gipfel und institutionelles Abkommen, 2021); SECO (Indien-Abkommen, 3. September 2025); Schweizer Parlament (Wiederwahl, 13. Dezember 2023); WBF (Präsidialjahr 2026).